Glühwürmchen

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In meiner Stadt gab es unlängst eine Konferenz, ein Kongress, ein Konglomerat der Flimmergestalten. Die Spatzen pfiffen es von den Dächern. Sie wurden dafür gut bezahlt und obgleich sie in Gefangenschaft waren hatten sie damit immerhin eine lebensnotwendiges Auskommen. All eingeladenen Tierchen versammelten sich in eigens für dieses Schauspiel angefertigten blattgoldenen Käfigen. Manchmal glotzen sie heraus und winkten mit den bunten Handschellen die sie als Mitglieder auswiesen. Einige von ihnen trugen lange bleich schimmernde Haare mit sich herum, andere hatten mindestens drei Brüste mit denen sie einwickelten und wackelten, wiederum andere zeichneten sich durch Preise aus mit denen sie ausgezeichnet wurden. Sie waren die Ordensbrüder und durften als solche die Podeste besetzen. Alle gemeinsam lachten und krachten und machten ein wohl orchestriertes Getöse, das wie ein projeziertes Feuerwerk über der Stadt verpuffte. Da ich weder über bleichschimmernde Haare verfüge noch ausreichend Brüste hatte, stahl ich mich wie ein Dieb hinein, ließ mich einwenig mit Geglitzer weihen, ließ die Kelche nicht ungenutzt an mir vorüberziehen, ließ meine Finger bei mir und steckte dafür meine Nase unter die Röcke. Musste jedoch erneut feststellen, dass sich das Aroma kaum von jenem unterscheidet, das ich von den Straßen, Gassen und Kellern gewohnt war.
Nächstes Jahr würden sie sich wieder treffen und wenn mir bis dahin keine Brüste gewachsen sind, wird sich der Dieb in gewohnter Weise eine spöttische Scheibe abschneiden.

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