Im Lichte des Schattens

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Im Lichte des Schattens

Nachdem ich meine Wohnungstüre endlich wieder gefunden habe, sie hatte sich zwischen den Büchern im Regal versteckt, und ich Depp hatte sie selbst tagsüber unter dem Bett gesucht. Naja, der Körper ist ein Hohlkörper also versetzte ich mich in eine Wirtschaft. Außer dem Rauch waren alle da, die zu der Ausstattung einer Wirtschaft gehören. Es gab Tabellen, Anreize und frische Vergesslichkeit. Sprudel gewissermaßen und damit natürlich auch neue Pläne, geschmiedet und eingelegt in ebenso frisches Kraut. Anwesend waren neben Hüpfburgenbewohnern und anderer Auslegware auch Speck und Schweiß. Ich kaute gerade auf kaltem Korn als sich der Stuhl gegenüber mit einem Professor füllte. Er hatte sehr kleine Ohren. Er sei Kopfbotaniker ließ er mich wissen. Er nahm einen tiefen Atemzug aus dem Glas und begann schließlich zu scheppern. Wissen sie, hob er an, wissen sie genau genommen ist es nicht das Hirn, sondern vor allem die Hirnrinde, die sich daran vergnügt unaufhörlich einen stechenden Schmerz zu verursachen. Die Hirnrinde ist zu allererst ein Schutzdesign, aber sie hatte sich zu sehr am Hirn entzündet und auch die Hirnhaut, die noch rettend hätte wirken können war bereits durchgeschmort. Das Hirn an sich schmerzt ja nicht, denn es war ursprünglich nicht dazu entworfen worden zu urteilen. Das tut es eben nur, wenn weder die Hirnrinde, noch die Hirnhaut die Strahlung fern hält, die nicht von der Sonne, sondern vom Schatten ausgeht. Der Schatten hat die unangenehme Eigenschaft immer da zu sein. Das Licht nicht. Das Licht kommt und geht, aber der Schatten ist ja unverwüstlich. Den Schatten kann aber auch die Sonne nicht austrocknen und daher hat er einen schlechten Ruf. Das stört ihn aber nicht, denn er hat davon keinen Begriff. Der Begriff kann ja nur im Sonnenlicht gedeihen, insbesondere an den Wendepunkten. Wo aber das Licht auf ewig gezwungen ist einem Kreislauf zu folgen blieb der Schatten immer Schatten, vor allem auch wenn sich das Licht zurückzieht und damit auch der Begriff verschwindet. Im Lichte des Schattens kann sich der Gehirnapparat immer wieder ein wenig erholen. Aber auch das Schattengewächs kann sich nicht der Sehnsucht erwehren. Auch im tiefsten Schatten hat das Schattengewächs die Erinnerung an den Erweckungskuß in jede Faser einprogrammiert.
Ich könnte ihn im Nachhinein nicht behaupten, dass ich ihn verstanden habe. Zur Nacht platzierte ich dann die Türe sorgsam in ihrem Rahmen und verzog mich. Der Sommerwind summte zweistimmig mit einer Hummel, die sich in meinem Kopf eingenistet hat.

 

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