Ein Fest bis auf die letzten Züge oder eine Schwalbe allein ist noch nicht strafbar.

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Ein Fest bis auf die letzten Züge oder eine Schwalbe allein ist noch nicht strafbar.

Es hieß es würde ein Fest geben, viel mehr, einer würde ein Fest geben. Verheißungsvoll hieß es in jener Flaschenpost, ein großes Fest. Außer der Post war die Flasche leer, und schließlich hatten wir Durst. Zudem litten wir schon seit Jahrzehnten am Mangel von schlechtem Geschmack und weil es bereits über Mittag war, ebenso wie wir, verabredeten wir uns mit einer Reihe von Missverständnissen und flanierten trotz Gewittermeldungen am schimmernden Ufer des Flusses dorthin. Insbesondere im bleichen Mondlicht rankten sich allerhand Legenden um den Fluß. Sie wucherten geradezu über die Dünen, die sich schneeweiß bis ins letzte Detail ausbreiteten. Aber das machte uns zum Glück nichts aus. Wir waren schon immer frühgeübte Ignoranten und daher schlugen wir uns auch diesmal so gut wie möglich durch sie hindurch. Keine leichte Aufgabe, wie man so sagt. Hin und wieder blieben wir an unübersehbaren Dornen hängen, die schon fast ausgetrocknet an runzligen Stammbäumen hingen. Warum sie sich zu derart hinterlistigen Widerhaken auswuchsen, konnte bis zum heutigen Tag so recht und schlecht keiner mehr sagen. Auch nicht die, die etwas zu sagen hatten und die bei einem Kelch Rosenwasser die Stammbäume studierten. Meist veröffentlichten sie dann ihre Ergebnisse in Schriftzeichen in knallbunten Glanzkatalogen, angereichert mit allerhand Illustrationen, die es, wie alle Süßigkeiten, immer nur im Übermaß sowie im Ausverkauf gab. Manchmal wurden sie sogar mit Rabattmarken geliefert, insbesondere an den Feiertagen, die natürlich den Höhepunkt des Jahres darstellten und die sich dann doch dabei nicht selten versprachen, aber das kann man ja schon bei den alten Höhlenmalern nachlesen.

Ich erinnere mich im übrigen von einem russischen Ägyptologen gehört zu haben, der in einer groß angelegten Studie vorzugeben trachtete die Schriftzeichen in den Katalogen entziffert zu haben. Ich war schon immer voller Begeisterung für die Entzifferung, für die ich, wie es mich zuzugeben drängt, schon fast religiöse Empfindungen hegte. Stellen sie sich ein vollständig entzifferte Welt vor. Ja, stellen sie sich das doch mal vor. Was für ein ungeheuerliches Wagnis eine solch vollständig entzifferte Welt doch wäre. Dann wäre es ein leichtes den Legenden und Stammbäumen die Dornen zu entziehen und damit den Fluß gewissermaßen zu entkorken und das wäre immerhin eine lustige Sache, so ein entkorkter Fluß. So in etwa wie ein Zwerg, über den man selbstverständlich nicht lacht, auch nicht im Keller, wo es gerade dort immer so viel zu lachen gab. Ich habe Keller gesehen, in den so viel gelacht wurde, dass das Lachen dort in Regalen sortiert und gestapelt wurde, systematisch, gewissenhaft ohne jede Nachlässigkeit und ohne jeden weiteren Grund, aber warum sollte man sich schon dorthin begeben. Schließlich hatte man genug Hefe angesetzt und die würde ihr übriges tun. Der Gärungsprozess kam auch ohne Geschworene aus und so würde der Keller eines Tages einfach platzen. Das wäre nicht das erste mal und so ist noch jeder zu seinem Schaden gekommen und regelmäßig waren besagte Zwerge die einzigen, die überlebten.

Naja

Mit solchen und ähnlichen Gedanken trugen wir uns zum Fest.

Es waren über 50 Leute dort, immerhin, statistisch gesehen ein Aus- und Überfluss an Getränken, Brüdern und Schwestern. Es war angerichtet. Auf dem Buffet lagen bereits einige Wunden offen und andere wiederum hatten bereits geschlossen. Wir badeten ein wenig und rissen uns Kleider und Witze vom Leib. Zwischendrin gab es Lachslangusten zu Essen. Ein seltenes Gefieder das in extra ausgesuchten Moosgegenden auf Inextra gezüchtet wurde und entsprechend bedeutend war. Inextra lag fernöstlich von allen Seiten aus, war also, wie man sich leicht vorstellen kann ungleich schwer zu erreichen. Was für eine Delikatesse. Gewürzt mit einer feinen Dosis unhaltbarer Unterstellungen und zum Abschluss abgerundet mit einem Kelch Schaum vor dem Mund. So etwas bekommt ganz bestimmt nicht selten zu schmecken. Kelche und Münder wuchsen gemeinsam auf, lernten sprechen sowie alles weitere, das sie nun munter so weit trieben bis die Artigkeiten aus dem Rahmen fielen. Das machte allerdings keinen großen Lärm und ging im allgemeinen Trubel unter.

Schließlich drohte der Bademeister uns aus Becken  zu werfen, ausgerechnet.
Der Abend hätte alle Möglichkeiten gehabt auszulaufen, aber eines der Missverständnisse verliebte sich in ein Versprechen und so musste der Lieferservice gerufen werden. Er hieß glaub ich Samariter, aber wir glaubten nicht an ihn. Stattdessen bereiteten wir uns auf die Freischwimmerprüfung vor. Es reichte allerdings nur bis zum Seepferchen, das zugegebener maßen ganz zauberhaft schmeckte. Wir verzichteten auf den Nachtisch und legten uns zum trocknen an die Herbstpromenade zu den Herbstzeitlosen, die dort in alphabetischer Reihenfolge aufgereiht waren. Zuletzt war es doch ein glücklicher Abend dachten wir als die letzten Züge aus der Flaschenpost eintrafen. Wir lehnten uns zurück, die Schwalben flatterten auf und ließen sich auf einer feinen Linie nieder, den heiteren Horizont der Entzifferung. 

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